Etwas zum Nachdenken für Christen

Eine ernsthafte Warnung Gottes an sein Volk

Wer die Bibel zur Grundlage seines Glaubens macht, sollte sie ernst nehmen von Anfang an und nicht nur diejenigen Stellen zur Begründung oder Beweisführung heranziehen, die in sein vorgefasstes Bild passen. Eine weitere grundsätzliche Voraussetzung zur Korrektur falscher theologischer Auffassungen ist, dass die Aussagen der Bibel auch in ihrer chronologischen Reihenfolge begriffen werden. Die weit verbreitete Lehre mancher christlichen Gruppierungen, dass das AT nur aus dem NT heraus interpretierbar und dieses daher in seiner theologischen Aussage wichtiger zu nehmen sei als das AT, ist daher abzulehnen.

Sofern beide Teile der Bibel als Offenbarungen Gottes an die Menschen begriffen werden, ist es unsinnig anzunehmen, Gott habe im AT seinem Volk zuerst Heilsbotschaften offenbart, die irreführend oder gar falsch zu verstehen gewesen seien und habe erst später den Schlüssel zum richtigen Verständnis geliefert, nachdem Generationen vorher in die Irre gegangen seien und sogar ihren einzigen Weg zum Heil (Jesus Christus) verdammt und zum Tode verurteilt hätten. Dies genau ist ja der Vorwurf der Christen an die Juden. Dass darin jedoch ebenfalls der Vorwurf bewusster Irreführung gegen Gott beinhaltet ist, fällt einem Christen selten auf.

Daher soll hier der Versuch unternommen werden, die jüdische Sichtweise bezüglich der christlichen Lehre darzustellen.

Die Botschaft der fünf Bücher Moses

Angefangen von der Schöpfung im ersten Buch Mose, bis zur zweiten Verkündigung des Gesetzes im 5. Buch, berichtet der Pentateuch über Gottes Umgang mit den Menschen. Der weitaus größte Teil der Berichte erzählt über die Beziehung Gottes zu Abraham und seinen Nachkommen, dem Volk Israel.

In der ganzen Zeit seines Umgangs mit den Menschen, insbesondere mit Abraham und seinen Nachkommen, offenbart sich Gott den Menschen in einer bestimmten Weise und lässt sie ein klares und unmissverständliches Bild von sich erhalten, wobei er sich klar und deutlich von den heidnischen Göttern der Nachbarvölker abgrenzt.

Im letzten der fünf Bücher spricht Gott folgende Warnung an sein Volk aus: 5.Mose 13,1-6

1 Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen.

2 Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder,

3 und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: »Laß uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!«,

4 dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt.

5 Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, und ihn sollt ihr fürchten. Seine Gebote sollt ihr halten und seiner Stimme gehorchen; ihm sollt ihr dienen und ihm anhängen.

6 Und jener Prophet oder der, der die Träume hat, soll getötet werden. Denn er hat Abfall vom HERRN, eurem Gott, gepredigt, der euch aus dem Land Ägypten herausgeführt und dich erlöst hat aus dem Sklavenhaus -, um dich abzubringen von dem Weg, auf dem zu gehen der HERR, dein Gott, dir geboten hat. Und du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen.

Diese Warnung Gottes an sein Volk soll im Folgenden nun versweise untersucht und kommentiert werden:

Nichts hinzufügen und nichts wegnehmen

1 Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen.

Hier macht Gott unter seine Offenbarungen und Anweisungen an sein Volk sozusagen einen Schlussstrich. Das Gegebene soll unverändert bewahrt und befolgt werden, weil es vollständig ist und keiner weiteren Ergänzung oder Korrektur bedarf. Ausdrücklich wird hier das Hinzufügen oder Streichen von Aussagen oder Anordnungen untersagt. Was bedeutet das?

Bis zu diesem Zeitpunkt der zweiten Verkündigung des Gesetzes durch Moses hat Gott sein Volk über vierzig Jahre (5.Mose 8,2) der Wüstenwanderung begleitet und sich ihm in machtvollen Taten und Wundern als der Allmächtige und einzig wahre Gott erwiesen, der über alle Götter Ägyptens triumphiert hat. Israel kennt nur einen einzigen Gott, der gleichzeitig Schöpfer und Gesetzgeber, Retter und Heiland ist. Seine Gebote stehen fest und dürfen nicht mehr verändert werden. 5.Mose 8,1-2

1 Das ganze Gebot, das ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, es zu tun, damit ihr lebt und zahlreich werdet und hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das der HERR euren Vätern zugeschworen hat.

Wer das, was Gott geboten hat hält und tut, der wird leben und das Heil erlangen, das Gott den Vätern versprochen hat. Diese Verheißung bezieht sich nicht nur auf das physische Versprechen des Einzuges in das Gelobte Land. Aus den Propheten geht eindeutig hervor, dass Gott für sein Volk eine Auferstehung und ein Gericht nach dem Tode vorgesehen hat. Da an diesen einmal verkündeten Bedingungen zum Heil nun nichts mehr verändert werden darf, ist der Weg zum Heil endgültig definiert: Das Halten der Gebote führt zum Leben.

Es werden Propheten kommen

2 Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder,

Gott prophezeit hier das Auftreten von Propheten, die Zeichen (Prophezeiungen) und Wunder ankündigen. Eine Warnung wäre unsinnig, wüsste Gott, dass dies nie geschehen würde. Wir können also sicher sein, dass Verführer kommen werden.

Nicht die Wunder, die Botschaft macht den Unterschied

3 und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: »Laß uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!«,

Diese Zeichen und Wunder treffen sogar ein, ganz so, als seien sie von Gott gewirkt und für einen Menschen unerklärbar. Sie sind scheinbar offensichtliche Beweise göttlicher Autorität. Um die göttliche Herkunft dieser Wunder und Zeichen zu bestätigen oder zu widerlegen, müssen wir aber die mit diesen Wundertaten verbundene Botschaft beachten: »Lass uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!«.

Wenn Gott von seinem Volk die Unterscheidung verlangt, ob diese Botschaft zur Verehrung fremder Götter verführen soll, ist damit eindeutig gesagt, dass Gott sich seinem Volk bereits so unmissverständlich offenbart hat, dass jeder Einzelne im Volk erkennen kann, ob es sich bei dieser mit Zeichen und Wundern bekräftigten Verkündigung um eine Botschaft des wahren Gottes oder eine Verführung zu fremden Göttern bzw. zu einem neuen, anderen Gottesbild handelt, das von dem bereits offenbarten Bild Gottes abweicht. Auch ein nur geringfügig abweichendes Gottesbild muss als Verführung betrachtet werden, da Gott das bereits Bekannte zum Maßstab macht.

Das Argument, das Volk Israel hätte damals die Natur Gottes in zwei oder drei Hypostasen (Wesensgestalten) als Gott Vater und Gott Sohn, bzw. als Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist noch nicht begreifen können, erledigt sich damit von selbst. Wenn man so will, hat Gott sich in der Möglichkeit seiner Selbstoffenbarung gegenüber seinem eigenen Volk mit diesem Maßstab des Bekannten selbst begrenzt. Wenn er sich seinem Volk bis zu diesem Zeitpunkt nicht als ein Gott in zwei oder drei Personen oder in sonst irgend einer anderen Weise offenbart hat, z.B. auch als Gottfamilie mit Gott Vater und Gott Sohn und der Möglichkeit einer unendlichen Erweiterung dieser Familie durch „auferstandene Heilige“, so ist dieses Verständnis der Natur Gottes für sein Volk ein für alle Male unannehmbar.

Das Gleiche gilt auch für den Weg zum Heil bzw. zum Leben. Wenn Gott sagt: „Wer mein Gesetz hält, der soll leben.“, dann kann es für das Volk Gottes nachträglich keinen anderen Weg zu Leben mehr geben.

Gott prüft euch

4 dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt.

Diese Warnung kann niemand, der Gottes Wort ernst nimmt, überhören. Erfüllte Prophezeiungen oder das Eintreten unerklärlicher Wunder sind in keinem Fall eine göttliche Bestätigung einer nachträglichen Änderung des Gesetzes oder des bestehenden Gottesbildes. Im Gegenteil, solche Ereignisse sind von Gott angekündigte und zugelassene Prüfungen, die testen sollen, ob Gottes Volk in Erinnerung an Gottes Wirken bei der Befreiung aus Ägypten und in treuem Gehorsam zum Bund vom Berg Sinai mit Gott lebt, oder ob das Unerklärliche, Geheime und Mystische der heidnischen Religionen verlockender ist.

Gottes Gebote stehen für immer

5 Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, und ihn sollt ihr fürchten. Seine Gebote sollt ihr halten und seiner Stimme gehorchen; ihm sollt ihr dienen und ihm anhängen.

Allein darauf kommt es an. Niemand ist autorisiert, ganz gleich mit welchen Wundertaten er sich auch ausweisen wird, auch nur ein Jota dessen zu ändern, was Gott seinem Volk bis zu dieser Warnung offenbart hat. Jede innere, geistliche Hinwendung zu irgend einem anderen Wesen, seien es Engel, Heilige, die Gottesmutter, ein bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannter Messias oder Gottessohn ist für Gottes Volk hiermit ein für allemal verboten.

Der Prophet soll sterben

6 Und jener Prophet oder der, der die Träume hat, soll getötet werden. Denn er hat Abfall vom HERRN, eurem Gott, gepredigt, der euch aus dem Land Ägypten herausgeführt und dich erlöst hat aus dem Sklavenhaus -, um dich abzubringen von dem Weg, auf dem zu gehen der HERR, dein Gott, dir geboten hat. Und du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen.

Dies ist die Strafe, die Gott jedem Propheten oder Verkünder anderer Lehren zuteilt.

Gott ändert sich nicht, weder in seiner Natur noch in seinem erklärten Willen. Jedoch der Gott der Christen aus dem NT ist ein ganz anderer als der, den wir aus dem AT kennen. Der Weg des Lebens, den das NT verkündet, ist ebenfalls ein ganz anderer als der, den wir aus dem AT kennen.

Gottes unmissverständliche Warnung lautet:

Hört nicht darauf, ihr werdet geprüft